Es ist ein langsamer, aber aggressiver Prozess, der lange Zeit unbemerkt bleibt, in aller Stille stattfindet und wenn sich Symptome zeigen, ist es in der Regel irreversibel (zu spät). Es kommt oft vor, dass ein Patient, der jeden Tag seine Zähne sieht, es nicht einmal bemerkt was in seinem Mund vorgeht. Daher ist eine regelmässige Kontrolle beim Zahnarzt wichtig und es ist auch gut zu dem selben Zahnarzt zu gehen, der etwaige Veränderungen rechtzeitig erkennen kann.
Wir haben Dr. Agnes Bokor zu diesem Thema befragt.

Wie läuft der Erosionsprozess ab?

Der Zahnschmelz, der die Oberfläche der Zähne bedeckt, ist das härteste Material in unserem Körper, aber gegenüber den Säuren ist dies jedoch immer noch sehr wenig. Wenn der Zahnschmelz einer säuerlichen Wirkung (niedriger pH-Wert in Lebensmitteln, Getränken, rückfliessender Mageninhalt) ausgesetzt ist, wird dieser vorübergehend in Mitleidenschaft gezogen und der Mineralgehalt wird geschwächt.

Der Speichel neutralisiert die Säure und stellt so das natürliche Gleichgewicht des Mundes wieder her, somit normalisiert sich der Zustand des Zahnschmelzes. Dies geschieht langsam, somit, falls es sich öfters wiederholt oder die Beeinflussung durch Säure über einen längeren Zeitraum geschieht, ist der Zahnschmelz nicht in der Lage, seine ursprüngliche Härte wiederzuerlangen.

Die durch Säure beeinträchtigte oberste Schicht wird beim Zähneputzen, Kauen und das Zusammenbeissen der Zähne schneller abgenutzt, es kann sogar vorkommen, dass diese sich vollständig verdünnt und verschwindet.

Ab diesem Zeitpunkt wird der Verlust des Zahnmaterials beschleunigt.

Der Zahnschmelz „schmilzt“ sozusagen, die zweite Zahnschicht, das Dentin, welches ein Material mit einer völlig anderen Struktur ist, kommt zum Vorschein. Es ist viel weicher als Zahnschmelz, also noch empfindlicher gegen Säuren und andere Beeinträchtigungen.

Säureeffekt + Zähneknirschen = weitaus grösseres Problem

Wenn zu der Beeinträchtigung durch Säure noch Zähneknirschen, Zusammenbeissen der Zähne hinzukommt, ist der Ablauf noch aggressiver:

Die enorme Kraft, die auf das erweichte Zahnmaterial ausgeübt wird, „hobelt“ die Zähne ab.

Woher greifen die Säuren an?

Wir unterscheiden zwischen Schäden, die durch interne und externe Säuren verursacht werden.

Schädigung durch innere Säuren (Aufstossen, „Reflux“: der Mageninhalt

gelangt in die Mundhöhle) im Falle von:

  • Magenproblemen (z. B. Refluxkrankheit),
  • sehr häufiges Erbrechen während der Schwangerschaft,
  • Essstörungen (Bulimie)

 

Schäden durch äussere Säuren

  • durch Verzehr von sauren Lebensmitteln und Getränken.

Der Verzehr von kohlensäurehaltigen Erfrischungsgetränken (z. B. Cola), Energiegetränken, Sportgetränken, Weine; aber auch von einigen Früchten, Zitrusfrüchten, Äpfeln, Essigsalatdressings, frisch gepressten Säften Brausetabletten in grossen Mengen, ist ebenfalls schädlich für die Zähne.

Patienten mit Zahnerosion können mit folgenden Symptomen rechnen:

  • Verfärbung der Zähne. Wenn das Dentin unter dem verdünnten Zahnschmelz hervorbricht, erscheint der Zahn in einem gelblichen Farbton. Die Kanten der Vorderzähne erscheinen aufgrund des dünnen Zahnschmelzes gräulich.
  • Erhöhte Zahnempfindlichkeit, die auf die Freisetzung von Dentin zurückzuführen ist und die unerträglich werden kann.
  • Winzige Risse und Unebenheiten auf den Zahnkanten.
  • Winzige Vertiefungen auf der Kaufläche des Zahnes.
  • Abnutzung der Zähne, die Zähne werden kleiner, es kann sogar soweit kommen, dass sie buchstäblich verschwinden.

Behandlung der Zahnerosion

Es kann vorkommen, dass durch die Behebung der Ursachen (bestimmte Krankheiten, Zustände, ungesunder Lebensstil) das Problem behoben werden kann, jedoch gibt es oft so viel Verschleiss, dass eine restaurative Zahnbehandlung erforderlich ist.

Das Verfahren dieser hängt hängt vom Ausmass des Schadens ab.

Mit Komposit

Der fehlende Zahnschmelz wird durch Komposit ersetzt. Für den Fall, dass die Kanten der Frontzähne brüchig und eine gräuliche Farbe entwickeln, reicht es, wenn mit genügend Komposit (für ästhetische, sogenannte „weisse Zahnfüllungen“ als Grundmittel dienender spezieller Kunststoff) die Innenseite des Zahnes zum Gaumen hinauf aufgebaut wird, und schon erstrahlt der Zahn in weiss.  Wir verwenden auch dann Komposit, wenn die Spitze eines Backenzahnes leicht beschädigt ist.

Säureerosion

Vorher: Das Foto zeigt deutlich die Ausdünnung und Zersplitterung der Zahnkanten, welche sich durch die auf die Oberfläche der Rückseite der Zähne (palatinale Oberfläche) geschehene Säureeinwirkung, entwickelt hat.

Danach: So sieht der gleiche Zahn nach der Sanierung mit dem Komposit aus

Mit Onlay

Im hinteren Kieferbereich verwenden wir häufig Teilkronen (Onlay-Einsatz oder Table Top). In diesem Fall ist es nicht notwendig, den gesamten Zahn zu beschleifen. Wir versuchen, so viel gesundes Zahnmaterial wie möglich zu erhalten. Das Onlay setzen wir auf die vorbereitete Zahnoberfläche. Man kann auch sagen, der Zahn bekommt eine Mütze aufgesetzt.

Mit Krone

In der Lächelzone bauen wir die stark abgenutzten Zähne mit einer Krone wieder auf. Besonders im sichtbaren Bereich bevorzugen wir für die Verwendung von Kronen als Grundmaterial Presskeramik, welches ein völlig naturgetreues Endergebnis gibt und Zirkonium, welches stark, stabil und auch von herausragender Ästhetik ist.

Die Fotos sprechen für sich:

Unsere Patientin, in ihren Dreissigern, hatte jahrelang mit Reflux zu kämpfen. Die Krankheit hinterliess ernsthafte Spuren auf ihren Zähnen, aber heute lächelt sie nur darüber: Ihre Zahnärztin, Frau Dr. Agnes Bokor hat mit einer komplexen, restaurativen Behandlung ihre Zähne, die fast bis zum Stumpf abgenutzt waren, schön und gesund gezaubert.

Fast die Hälfte der Zähne musste neu aufgebaut werden. Dies ist in der Lächelzone mittels Zirkonium geschehen, im hinteren Kieferbereich mittels Teilkronen. Im Unterkiefer erhielt die Patintin Komposit.

Säureerosion

Obere Bilder: Zustand vor dem restaurativen Eingriff – der Zahnmaterialverlust ist durch die zerstörerische Kraft der Säureeinwirkung deutlich erkennbar.

Untere Bilder: Ergebnis der komplexen restaurativen Intervention durch Frau Dr. Agnes Bokor

Profi-Tipps zur Reduzierung / Beseitigung von Säuregehalt:

  • Lassen wir unseren Mund nicht austrocknen, da dies das Risiko der Erosion erhöht!
  • Nach einer Mahlzeit – und besonders wenn wir eine säurehaltige Speise oder ein säurehaltiges Getränk verzehrt haben – warten wir mit dem Zähneputzen eine gute halbe bis zu einer Stunde, bis dahin spülen wir unsere Zähne nur mit Wasser oder mit flouridhaltigem Mundwasser, beziehungsweise wir entfernen mit Interdentalreiniger (Zahnseide oder Interdentalbürste) die Essensreste, die sich zwischen unseren Zähnen festgesetzt haben!
  • Wählen Sie eine weiche oder extra weiche Zahnbürste. Am besten geeignet  ist eine elektrische Zahnbürste mit Sonic * -Technologie (zB Schallzahnbürste von Philips Sonicare mit einem „sensitiven“ Kopf).
    * Bei Schall-Zahnbürsten vibrieren die Borsten aussergewöhnlich schnell (bis zu 62 Tausend Bewegungen pro Minute) und diese Bewegung entfernt sogar Plaque und Bakterien am Zahnfleisch.
  • Wählen wir, um die Auswirkungen der Säureerosion zu verhindern, hierfür geeignete Zahnpasten (z. B. Sensodyne Pronamel, Elmex Erosionschutz (violet)), dessen tägliche Anwendung dem Zahnschmelz bei der Konsolidierung hilft.
  • Vermeiden wir schädigende, zahnaufhellende Zahncremes, die unsere Zähne beschädigen!
  • Kauen wir stattdessen Kaugummi! Diese Aktivität stimuliert die Herstellung von Speichel, der die Säuren neutralisiert.
  • Wenn wir uns krankheitsbedingt übergeben (Magenverstimmung, Virusinfektion), egal wie sehr wir uns danach sehnen, warten wir lieber minimum halbe Stunde mit dem Zähneputzen. In der Zwischenzeit spülen wir unseren Mund mit Wasser, erfrischendem Mundwasser und reinigen wir unsere Zunge mit einem speziellen Zungenschaber!
  • Dies ist der Schlüssel, um die Grundursache zu beseitigen!