Die All-on-4-Methode ist relativ neu, seit den 90er-Jahren wird sie angewendet. Viele haben noch nichts davon gehört, diejenigen, die schon und zusätzlich noch unter Zahnlosigkeit und Knochenverlust leiden, sind sicherlich begeistert über die Möglichkeiten, die ihnen diese Spitzentechnologie der Implantatprothetik eröffnet hat.

Wir haben die wichtigsten Fragen über das Verfahren zusammengestellt und unsere Spezialistin für Implantologie Dr. Katja Schlee gebeten, sie zu beantworten.

Warum hat das All-on-4-Verfahren besondere Bedeutung?

Die innovative Technik hat in der Behandlung von Patienten mit erheblichem Zahn- und Knochenverlust neue Horizonte eröffnet. Durch diese Methode ist die sichere und stabile Befestigung eines Zahnersatzes selbst dann möglich, wenn der Knochen nur bis zur Prämolaren-Region ausreicht. Dabei verfügen die meisten Menschen über genügend Knochensubstanz in dieser Region, auch wenn seitlich die Menge und die Qualität des Knochens nicht mehr ausreichen. So kann man grössere Eingriffe wie Knochenaufbau vermeiden. Man kann in diesem Bereich im Oberkiefer vier bis sechs, im Unterkiefer vier Implantate einsetzen, die je eine komplette Bezahnung sicher befestigen.

Wie kann die gewünschte Stabilität nur mit vier Implantaten erreicht werden?

Indem diese Implantate nicht auf herkömmliche Weise, sondern in einem speziellen Winkel eingesetzt werden. Auch die Form der Implantate ist etwas abgeändert. Wenn früher ein Patient feste Zähne wollte, haben wir pro Kiefer mit mindestens sechs Implantaten bei genügend Knochensubstanz, sonst auch noch mit Knochenaufbau gerechnet.

Hat die mechanische Stabilität weitere wichtige Vorteile?

Absolut! Durch ihre Stabilität und dadurch, dass siemiteinander verbunden sind, sind sie sofort belastbar. Nach dem Implantieren nimmt der Chirurg Abdrücke, anhand derer fertigt das zahntechnische Labor innerhalb von 24 Stunden den provisorischen Zahnersatz an. Dieser ist zwar nur für mehrere Monate gedacht, zwingt aber nicht zu Kompromissen: vollwertig in der Ästhetik und Funktion und nicht herausnehmbar, sondern fest verschraubt. Auf diese Weise ist es möglich, was in Zusammenhang mit All-on-4 oft betont wird: In einem Tag kann der Patient vom zahnlosen Zustand bis zum Tragen eines festen Zahnersatzes gelangen. Das ist ein grosser Unterschied, wenn man bedenkt, dass sich der Patient früher nach dem Implantieren mit einem herausnehmbaren Provisorium zufriedengeben musste. Das Plus an Lebensqualität bei einem stabilen, festen Zahnersatz, der auch noch schön aussieht, ist leicht zu erkennen!

Aus welchem Material wird das Provisorium angefertigt?

Aus einem speziellen Kunststoff, der für die Monate der Heilung eine gute Ästhetik und einwandfreie Funktion gewährleistet. Der einzige Nachteil ist, dass Verfärbungen leichter entstehen können als bei den härteren definitiven Materialien. Der viel wichtigere Vorteil ist jedoch, dass genau die relative Weichheit des Materials die Kaubelastung mindert, wodurch die Implantatheilung begünstigt wird.

Während der Heilungszeit mit dem festen Provisorium kommt einiges zur Vorschein ...

So ist es! Diese Zeit ist eine Art Generalprobe. Es stellt sich heraus, wie bequem die Bisshöhe ist, wie gut der Patient sowohl aus ästhetischer als auch aus funktioneller Sicht mit dem Provisorium auskommt – die definitive Arbeit wird aufgrund dieser Erfahrungen mit den eventuell nötigen Korrekturen angefertigt, also in jeder Hinsicht tadellos!

Wann und wie setzt man die endgültige Arbeit ein?

Nach drei bis fünf Monaten, nachdem die künstlichen Wurzeln sich in den eigenen Knochen integriert haben und fester Bestandteil des Kiefers geworden sind, nehmen wir erneut Abdrücke. Das Material der definitiven Versorgung kann Metall-Keramik, mit Komposit verblendetes Metallgerüst oder das ausserordentlich stabil und realistisch wirkende Zirkonium sein.

Die Technologie macht mit minimaler Anzahl von Implantaten in kürzester Zeit eine radikale Verbesserung der Lebensqualität möglich.

Inwiefern werden die Abläufe komplizierter, wenn Zähne gezogen werden müssen?

Ein Vorteil der All-on-4-Methode ist es, dass die spezifisch hergestellten Implantate sofort nach Entfernung vorhandener, aber unbrauchbarer Zähneeingepflanzt werden und dank ihrer Stabilität sofort belastet werden können.

Das heisst, Zähneziehen, Implantieren, das fest verschraubte Provisorium herstellen und einsetzen kann innerhalb von 24 Stunden über die Bühne gehen und die Unannehmlichkeiten wegen Zahnlosigkeit oder dem Wackeln eines herausnehmbaren Provisoriums bleiben dem Patienten erspart.

Warum ist All-on-4 zeitsparender als eine herkömmliche Implantation?

Nach einem Sinuslift müssen wir mehrere Monate warten, bis die Titanschrauben in die bisweilen ausreichend dicke Knochenschicht eingesetzt werden können; in dieser Zeit muss der Patient mit herausnehmbarer provisorischer Prothese leben. Anschliessend müssen die Implantate in vier bis sechs Monaten einheilen. In dieser Zeit trägt der Patient die herausnehmbare provisorische Prothese weiter. Es können also acht bis zwölf Monate vergehen, bis wir die endgültige Versorgung überhaupt anfangen können.

Bei All-on-4 gibt es keinen Zeitverlust. Meistens können wir sofort nach dem Zahnziehen implantieren, und zwar meistens nur vier (selten sechs) Implantate, wodurch sich die Dauer des Eingriffs auch reduziert. Nach der drei- bis fünfmonatigen Einheilphase wird die endgültige Versorgung hergestellt, also die gesamte Behandlungszeit halbiert sich, wobei die stabile, fest verschraubte provisorische Prothese eine sofortige und vollwertige Funktionalität gewährleistet. Durch Anwendung der Technologie können wir nicht nur Unannehmlichkeiten vermeiden, sondern auch noch Zeit und Geld für die Patienten sparen. In Anbetracht des Ausgangsproblems gelangen wir in unglaublich kurzer Zeit bis zur Endlösung, was zu einer spektakulärenBesserung der Lebensqualität führt.

Stimmt die Aussage, dass im Falle von All-on-4 die endgültige Versorgung wenn möglich noch perfekter ist als bei den herkömmlichen Behandlungen?

Ja. Die Gründe dafür haben wir bereits erwähnt. Das mehrmonatige Zusammenleben mit der provisorischen Prothese erlaubt dem Patienten, die neue Zahnsituation in allen Lebenslagen gründlich zu testen. Die gesammelten Erfahrungen lassen wir in die Anfertigung der endgültigen Arbeit einfliessen, sodass das Endergebnis, was die Dimensionen, Form, Farbton, Bisshöhe angeht, perfekt ist.

Wenn etwas passiert, wie ist eine Reparatur möglich?

Sowohl das feste Provisorium als auch der endgültige Zahnersatz wird durch Schrauben an den Implantatenbefestigt. Diese sind für den Betrachter unsichtbar, für den Patienten nicht störend, gleichzeitig kann sie der Zahnarzt zugänglich machen und lockern. Auf diese Weise kann die Arbeit einfach und schmerzfrei herausgenommen werden. Bei Verfärbung oder Reparatur wird der Zahnersatz zum zahntechnischen Labor geschickt und wieder auf Vordermann gebracht. Für diese Zwischenzeit setzen wir die früher benutzte und aufbewahrte feste provisorische Prothese ein.

Auch wenn keine Reparatur fällig ist, werden die All-on-4-Arbeiten jährlich entfernt, das Zahnfleisch um dieImplantate herum gründlich gereinigt, die Arbeit anschliessend wieder festgeschraubt. Das ist genauso unentbehrlich wie regelmässige Inspektionen bei den Fahrzeugen.

Ist All-on-4 teuer?

Bei dieser Methode sind meistens nur vier Implantate notwendig, der meist langwierige und kostspielige Knochenaufbau entfällt, die Heilungszeit ist kürzer, sodass der Patient schneller zu seinem gewohnten Lebensstil zurückkehrt und den Zahnarzt viel weniger oft besuchen muss. Es mögen auf einmal höhere Kosten anfallen, doch am Ende ist All-on-4 eine kostenwirksame Behandlung, die ausser Geld auch Zeit und Aufwand für die Patienten spart.

Wenn wir die anstehenden Kosten abwägen, sollten wir die enorme Komplexität der Behandlung beachten, sowie dass der Unterschied zwischen Ausgangspunkt und Endergebnis die Lebensqualität nachhaltig verändert.

Was kann der Patient während und nach der Behandlung erwarten?

Schmerzen sollte er nicht befürchten. Der unangenehmste Teil der Behandlung wird das Setzen der Lokalanästhesie sein. Nach der OP können leichte Schmerzen und vorübergehende Schwellungenauftreten. Schmerzen können medikamentös, Schwellungen durch Eisbeutel gelindert werden. Komplikationen sind äusserst selten. Bei entsprechender Planung, Ausführung und heimischer Mundpflege ist die Erfolgsrate der Implantation über 95%.

Es ist die Eigenverantwortung des Patienten, dass er eine Zahnarztpraxis aussucht, die mit hochwertigen, bewährten Implantatmarken unter Betreuung von gut qualifizierten und empathischen Zahnärzten arbeitet. Er soll sich vergewissern, dass die Praxis Garantie auf die gemachten Behandlungen übernimmt, welche er bei Bedarf in Anspruch nehmen kann.

Was sind die Kontraindikationen?

Die sind gleich wie bei allen Implantatbehandlungen: schwerwiegende, vernachlässigte Diabetes, Stoffwechselstörungen im Knochen, schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Alkoholismus, starkes Rauchen, Medikamenten- oder Drogenabhängigkeit usw.

Während der Befundaufnahme und Beratung empfehlen wir in diesen Fällen Alternativbehandlungen.

Was, wenn die All-on-4-Behandlung nicht machbar ist?

Es gibt natürlich Situationen, wo das All-on-4 keine Option ist. In diesen Fällen greifen wir auf herkömmliche implantologische Verfahren oder alternative prothetische Behandlungen zurück. Das Resultat, das heisst der ästhetische und gut funktionierende Ersatz fehlender Zähne, ist auch in diesen Fällen garantiert. Der Patient kann allerdings mit etwas mehr Eingriffen und Zahnarztvisiten rechnen.